Stefan Schulmeister

27.03.2009
von 19:30 bis 22:00
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Die Wirtschaftskrise wird uns noch einige Zeit begleiten. WIFO-Experte Stephan Schulmeister fordert eine Neuorientierung des Wirtschaftssystems als Antwort.

Die Wirtschaftskrise ist laut Wifo-Experten Stephan Schulmeister noch lange nicht ausgestanden. „Da kommt noch einiges auf uns zu“, erklärte er am Mittwochabend im Zukunftszentrum Tirol, das regelrecht gestürmt wurde.

Mehr als 260 Interessierte verfolgten den Vortrag und die anschließende Diskussion. Schulmeister war auf Einladung von „Wissenschaft und Verantwortlichkeit“ und des Zukunftzentrum Tirol nach Innsbruck gekommen.

Für Schulmeister ist die Krise „ein von Menschen gemachter Tsunami mit einem dynamischen Epizentrum, der dauernd neue Wellen produziert“. Sinkende Rohstoffpreise, sinkende Immobilienpreise und abstürzende Aktienkurse – diese Gleichzeitigkeit habe es zuletzt zwischen 1929 und 1933 gegeben, erklärte Schulmeister. „Da kommt noch einiges auf uns zu. Das ist der Anfang vom Ende des jetzigen Finanzsystems.“ Die Krise werde Jahre andauern. „Das Schwierigste sind die Jahre, in denen das alte Finanzsystem nicht mehr funktioniert, ein neues aber noch nicht gefunden ist. Und da stehen wir jetzt.“

Den Versuchen der Politik, das Finanzsystem zu reparieren, stellt der Wifo-Experte ein schlechtes Zeugnis aus. „Die Politik greift nur die Symptome an.“

Die Finanzwirtschaft sei zu stark von der Realwirtschaft abgekoppelt, kritisiert Schulmeister. So sei beispielsweise die Deutsche Bank einst Dienerin der Industrie gewesen, nun konzentriere sie sich auf Spekulationen.

2007 sei das 80-Fache des Welt-Bruttoinlandsproduktes an der Börse umgesetzt worden. Im Jahr 2000 sei es noch das 30-Fache gewesen. Derivate bezeichnete Schulmeister als „Wettschein mit dem man auf Börsenkurse setzt“.

Aber Stephan Schulmeister sieht in der Krise auch eine Chance: Erst eine richtig schlimme Krise repariere das System: die Realwirtschaft müsse wieder gestärkt werden, der soziale Zusammenhalt in Zeiten der Krise gefördert und das Wirtschaftsystem ökologischer werden.

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