Der Wissenschaftliche Beirat der deutschen Bundesregierung Globale Umweltveränderungen WBGU hat im Juni 2011 sein neues Hauptgutachten „Welt im Wandel: Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ veröffentlicht. Darin begründet der WBGU die dringende Notwendigkeit einer von Kernenergie und fossilen Energieträgern unabhängigen Wirtschaftsweise. Die Machbarkeit der Wende zur Nachhaltigkeit wird dargestellt und zehn konkrete Maßnahmenbündel zur Beschleunigung des erforderlichen Umbaus werden vorgeschlagen.
Das Ausmaß des erforderlichen Wandels ist kaum zu überschätzen und umfasst tiefgreifende Änderungen von Infrastrukturen, Produktionsprozessen, Regulierungssystemen und Lebensstilen. Als Ordnungsrahmen für die Große Transformation wird ein neuer globaler Gesellschaftsvertrag vorgeschlagen. Als Vertrag zwischen den Generationen soll er für bald neun Milliarden Menschen die Grundlage für „gutes Zusammenleben“ mit sich und der Natur schaffen.
Der WBGU empfiehlt zehn Maßnahmenbündel mit großer transformativer Wirkung:
1. Um eine Dekarbonisierung weltweit voranzutreiben, sollte der Staat seine Rolle als Gestalter bewusst wahrnehmen. Gleichzeitig sind den Bürgerinnen und Bürgern bessere Partizipationsmöglichkeiten einzuräumen.
2. Das Treibhausgas CO2 sollte möglichst rasch und global mit einem angemessenen Preis belegt werden.
3. Eine europäische Energiepolitik, die auf eine vollständige Klimaverträglichkeit des Energiesystems bis spätestens 2050 zielt, sollte schleunigst entwickelt und umgesetzt werden.
4. Einspeisevergütungen für erneuerbare Energien sollten weltweit eingeführt werden.
5. Entwicklungspolitik sollte insbesondere darauf zielen, dass die 2,5 bis 3 Mrd. Menschen, die heute in Energiearmut leben, Zugang zu nachhaltigen Energien bekommen.
6. Große Anstrengungen sollten unternommen werden, um die sich beschleunigende weltweite Urbanisierung nachhaltig zu gestalten.
7. Die Landnutzung sollte klimaverträglich gestaltet werden, insbesondere die Agrikultur und die Waldwirtschaft.
8. Zur Finanzierung der Transformation und der erforderlichen massiven Investitionen sollten verstärkt neue Geschäftsmodelle herangezogen werden.
9. In der internationalen Klimapolitik sollte weiterhin auf ein ambitioniertes globales Abkommen hingearbeitet werden.
10. Die Vereinten Nationen sollten in die Lage versetzt werden, wirksame Beiträge zur Transformation zu leisten. Entwicklungsorganisationen sollten zu Transformationsagenturen für Nachhaltigkeit umgebaut werden. Die G 20 sollten einen Fahrplan für wirtschaftliche Entwicklung innerhalb der Grenzen des planetarischen Systems erarbeiten.
WBGU - Wissenschaftlicer Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen
Zukunftszentrum Tirol:
Kurzbericht Welt im Wandel: Welt im Wandel - Das Hauptgutachten des WBGU 01/2012
Neben dem Volltext (450 Seiten) ist auch eine Zusammenfassung (34 Seiten) des Hauptgutachtens des WBGU verfügbar.


